Das Kristallsystem ist ein wichtiges Merkmal bei der Mineralbestimmung. Es beschreibt die Symmetrie der inneren Kristallstruktur eines Minerals. Man unterscheidet sieben Kristallsysteme, die sich durch ihre Symmetrieeigenschaften unterscheiden.

Gut ausgebildete Kristalle können Hinweise auf das Kristallsystem geben. Die äußere Kristallform allein reicht jedoch nicht immer für eine sichere Bestimmung aus.

Die sieben Kristallsysteme im Überblick

Kristallsystem Typische Merkmale Mineralbeispiele
Kubisch Hohe Symmetrie; häufig würfel- oder oktaederförmige Kristalle. Pyrit, Fluorit, Halit, Diamant.
Tetragonal Eine vierzählige Symmetrieachse; häufig prismatische Kristalle. Zirkon, Rutil, Kassiterit.
Hexagonal Eine sechszählige Symmetrieachse; häufig sechsseitige Prismen. Beryll, Apatit.
Trigonal Eine dreizählige Symmetrieachse; oft rhomboedrische oder prismatische Kristallformen. Quarz, Amethyst, Calcit, Turmalin.
Orthorhombisch Drei zueinander senkrechte kristallographische Achsen unterschiedlicher Länge. Topas, Olivin, Aragonit.
Monoklin Eine zweizählige Symmetrieachse oder eine Spiegelebene; häufig schiefwinklige Kristallformen. Gips, Malachit, Orthoklas.
Triklin Geringste kristallographische Symmetrie; keine zwingend rechtwinkligen Achsen. Albit, Amazonit (Mikroklin), Kyanit.

Kristallsystem bestimmen – Schritt für Schritt
Die sieben Kristallsysteme der Minerale: geometrische Kristallformen und mikroskopische Dünnschliffbilder im Vergleich

  1. Kristallform betrachten: Die Mineralprobe mit bloßem Auge oder einer Lupe untersuchen.
  2. Symmetrie erkennen: Auf würfelartige, prismatische, tafelige oder rhomboedrische Formen achten.
  3. Kristallflächen vergleichen: Winkel, Flächenanordnung und mögliche Symmetrieachsen berücksichtigen.
  4. Weitere Merkmale prüfen: Kristallsystem zusammen mit Mohshärte, Dichte und Spaltbarkeit beurteilen.
  5. Mineral bestimmen: Beobachtungen mit mineralogischen Referenzen vergleichen.

Wichtig: Die äußere Form eines Kristalls wird auch durch seine Wachstumsbedingungen beeinflusst. Eine sichere Zuordnung des Kristallsystems ist deshalb nicht immer mit bloßem Auge möglich. Bei Bedarf werden kristallographische Untersuchungsmethoden wie die Röntgendiffraktometrie eingesetzt.

Kristallsystem und Kristallhabitus – der Unterschied

Das Kristallsystem beschreibt die Symmetrie der Kristallstruktur. Der Kristallhabitus beschreibt dagegen das äußere Erscheinungsbild eines Kristalls, beispielsweise prismatisch, tafelig oder nadelig.

Ein Mineral kann unterschiedliche Kristallformen entwickeln, ohne sein Kristallsystem zu verändern. So gehört Pyrit zum kubischen Kristallsystem, bildet aber nicht nur Würfel, sondern auch Pyritoeder und andere Kristallformen.

Kristallsystem bei Mineralaggregaten

Nicht jede Mineralprobe besteht aus einem einzelnen, gut ausgebildeten Kristall. Viele Schmuck- und Sammlersteine liegen als feinkristalline oder mehrphasige Aggregate vor.

Bei solchen Materialien kann das äußere Erscheinungsbild keinem einzelnen Kristallsystem eindeutig zugeordnet werden.

Beispiele sind Achat, Chalcedon und Jaspis. Sie bestehen überwiegend aus mikrokristallinen Kieselsäurephasen, deren Kristallstruktur nicht unmittelbar an der äußeren Form erkennbar ist.

In unserem Mineralien-Bestimmer verwenden wir für solche Materialien die Kategorie „nicht einheitlich (Aggregat)”. Diese Bezeichnung ist eine praktische Filterkategorie und kein eigenständiges Kristallsystem.

Fazit

Die sieben Kristallsysteme bilden eine wichtige Grundlage der Mineralogie. Bei gut ausgebildeten Kristallen können Form und Symmetrie wertvolle Hinweise auf die Mineralart liefern.

Für eine zuverlässige Mineralbestimmung sollten jedoch auch andere Eigenschaften wie Mohshärte, Dichte, Strichfarbe und Spaltbarkeit berücksichtigt werden.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Ratgeber Mineralien bestimmen – Merkmale und Methoden der Mineralbestimmung sowie im Mineralien-Lexikon.